Patrick Bitzinger: Blind Richtung Hawaii

Patrick Bitzinger und der IRONMAN AUSTRIA - 10:23:26 Stunden und der Traum von Hawaii


Am 14. Juni 2026 stand Patrick Bitzinger beim IRONMAN Austria-Kärnten in Klagenfurt am Start seiner ersten Langdistanz. Gemeinsam mit seinem Guide Andreas Fuchs absolvierte der blinde Triathlet 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen in 10:23:26 Stunden.

Patrick gewann damit die PC/ID / Para Open Division. Nach unserem aktuellen Kenntnisstand dürfte diese Zeit sogar die schnellste je dokumentierte Ironman-Langdistanz eines blinden Athleten sein. Die uns bekannten bisherigen Bestzeiten liegen bei 10:51 Stunden durch Oren Blitzblau und 10:59 Stunden durch Kyle Coon.

Für einen blinden Athleten ist ein Ironman noch einmal eine eigene Aufgabe. Es geht nicht nur um Schwimmen, Radfahren und Laufen, sondern um Orientierung, Kommunikation, Vertrauen und Teamwork über viele Stunden. Im Wasser, am Tandem und beim Marathon muss alles zusammenspielen.

Gerade das Schwimmen war im Vorfeld sicher einer der wichtigsten Punkte. Patrick bezeichnet sich selbst nicht als Schwimmer, fand aber richtig gut ins Rennen. Andi hatte mit ihm die Bojen, die Linienführung und den Ablauf genau besprochen. Dadurch konnte Patrick das Schwimmen mental gut einteilen und ruhig bleiben. Mit 1:13:29 Stunden war das ein richtig solider und wichtiger Start in den Tag.

Am Rad konnten Patrick und Andi dann ihre Stärke ausspielen. Auch wenn Patrick selbst meinte, nicht seinen allerbesten Tag erwischt zu haben, rollte das Tandem sehr stark. Mit 4:52:31 Stunden arbeiteten sich die beiden ordentlich nach vorne und legten die Basis für ein richtig starkes Ergebnis.

Der Marathon wurde dann genau das, was ein Ironman oft ist: ehrlich, fordernd und am Ende eine Teamleistung. Die ersten Kilometer liefen kontrolliert, später musste das Tempo reduziert werden, weil Andi beim Laufen nicht seinen besten Tag hatte. Und genau das macht diese Leistung noch wertvoller. Bei diesem Rennen zählt nicht die einzelne Bestzeit, sondern das gemeinsame Ankommen.

Nach 4:06:43 Stunden Marathonzeit erreichten Patrick Bitzinger und Andreas Fuchs das Ziel. Die Gesamtzeit: 10:23:26 Stunden.

Für Patrick war dieser Tag mehr als nur ein Finish. Es war der Beweis, dass er auf die Langdistanz gehört. Und es war ein weiterer Schritt in Richtung seines größten sportlichen Traums: ein Start bei der IRONMAN World Championship in Kailua-Kona, Hawaii.


Kommentar von Patrick

„Für mich war Klagenfurt ein unglaubliches Erlebnis. Ich durfte zeigen, was in mir steckt, und das vor so vielen Zuschauern. Mit dem Schwimmen bin ich als Nichtschwimmer sehr zufrieden. Am Rad konnten wir unsere Stärke gut ausspielen, auch wenn ich vielleicht nicht meinen besten Tag hatte. Beim Laufen war es dann echte Teamarbeit.

Auch wenn ich vielleicht noch etwas schneller hätte laufen können: Wir sind ein Team und wir kommen gemeinsam ins Ziel.

Mit 10:23:26 Stunden bei meinem ersten Ironman bin ich sehr zufrieden. Vor allem bin ich dankbar, dass ich an diesem Tag voller Selbstvertrauen war und keine Angst hatte, es nicht zu schaffen.“

Kommentar von Guide Andreas Fuchs

„Patrick zu guiden ist eine besondere Aufgabe, weil er sportlich extrem stark ist. Als Guide muss man in so einem Team eigentlich immer Reserven haben. Man muss führen, kommunizieren, Sicherheit geben und gleichzeitig selbst die Leistung bringen. Bei Patrick ist das nicht selbstverständlich, weil sein Niveau sehr hoch ist.

Am Rad konnten wir unsere gemeinsame Stärke sehr gut zeigen. Beim Laufen hatte ich selbst nicht meinen besten Tag. Genau da sieht man aber, was dieses Team ausmacht: Patrick und die Zuschauer haben mich gepusht und wir konnten das Rennen gut ins Ziel bringen.

Ein Ironman mit einem blinden Athleten ist keine Begleitung, sondern echte Teamleistung. Patrick hat in Klagenfurt gezeigt, dass er auf diese große Bühne gehört.“

Kommentar von Mario

Besonders beeindruckend war für mich Patricks Resilienz. Gerade im Schwimmen war der Weg über den Winter alles andere als einfach. Wenn Leinen zur Begrenzung im Training regelmäßig rote, aufgeschundene Schultern bedeuten und man trotzdem weiterarbeitet, dann sagt das sehr viel über einen Athleten aus. Da geht es nicht nur um Technik, Umfang oder Belastungssteuerung, sondern um die Bereitschaft, dranzubleiben, auch wenn es mühsam ist.

Dazu kommt, dass Training für Patrick nie einfach nur Training ist. Sobald es nicht auf der Rolle indoor stattfindet, braucht es fast immer Organisation, Abstimmung und einen Guide. Schwimmen, Laufen, Radfahren am Tandem, Streckenwahl, Sicherheit, Kommunikation – vieles, was für andere Athleten selbstverständlich ist, muss bei ihm im Vorfeld gelöst werden. Genau deshalb war der Aufbau über den Winter nicht nur körperlich wichtig, sondern auch organisatorisch und mental.

In Klagenfurt hat man dann gesehen, dass dieser Aufbau getragen hat. Patrick ist ruhig, konzentriert und mit viel Selbstvertrauen ins Rennen gegangen. Er hat seine schwächste Disziplin kontrolliert gelöst und ist auch später stabil und handlungsfähig geblieben. Genau das ist für mich Langdistanzfähigkeit: nicht nur gut vorbereitet sein, sondern auch unter Belastung Lösungen finden und den eigenen Weg weitergehen.

Der nächste Traum ist Hawaii. Und nach Klagenfurt darf man diesen Traum absolut ernst nehmen.

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